Streamkeks:Analyse – Partnersuche auf den Philippinen Unrealistisch?!
| Videoanalyse | |
|---|---|
| Analysiert | 2026-05-26 |
| Video | YouTube |
| Kanal | Kristallmensch Kristallwolf |
Kanal: Kristallmensch Kristallwolf · Datum: 2026-05-26 · Länge: 3:05 (Short) Transkript: → Transkript
Diese Analyse ist keine psychologische, psychiatrische oder medizinische Diagnose und darf nicht als eine solche verstanden oder verwendet werden.
Alle Einordnungen, die psychologische Fachbegriffe verwenden (z. B. Beziehungsideen, Grandiosität, wahnhafte Züge), dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Beschreibung und Einordnung öffentlich zugänglicher Aussagen aus dem zitierten Video. Sie ersetzen keine klinische Begutachtung durch eine qualifizierte Fachperson und erlauben keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Gesundheitszustand der analysierten Person.
Grundlage dieser Analyse sind ausschließlich belegbare Fakten: transkribierte Originalzitate, wissenschaftliche Fachliteratur und überprüfbare historische sowie empirische Quellen. Alle Bewertungen sind nachvollziehbar begründet und mit Quellenangaben versehen.
Erstellt von: StreamKeks · 06.06.2026
1. Zusammenfassung des Inhalts
Der Sprecher kritisiert westliche Männer (Deutsche, Engländer, Amerikaner), die psychisch angeschlagen, depressiv oder aggressiv auf die Philippinen reisen und dort eine Partnerin suchen, die ihre emotionalen Probleme löst und ihr Selbstwertgefühl wiederherstellt. Er bezeichnet diese Erwartung als „Märchenstunde" und argumentiert, dass philippinische Frauen selbst mit eigenen Problemen kämpfen und einen gefestigten, stabilen Mann suchen. YouTube-Kanäle über die Philippinen werden mitverantwortlich gemacht, weil sie unrealistische Bilder vermitteln. Abschließend stellt der Sprecher sich als positives Gegenbeispiel dar: Er habe sich nie in einem solchen Zustand befunden und suche in Beziehungen nach echter innerer Verbindung.
2. Faktenchecks nach Thema
2.1 Westliche Männer mit unrealistischen Erwartungen auf den Philippinen
Behauptung: Westliche Männer fahren deprimiert, frustriert und aggressiv auf die Philippinen in der Erwartung, dort eine warmherzige Frau zu finden, die ihre Depressionen auffängt und ihr Selbstbewusstsein zurückgibt.
Faktenlage: Das beschriebene Phänomen ist in der soziologischen Forschung zu transnationalen Heiraten und Romantourismus gut dokumentiert. Forscher wie Nicole Constable (Romance on a Global Stage, 2003) und Rhacel Salazar Parreñas (Servants of Globalization, 2001) beschreiben systematisch, wie westliche Männer mit Vorstellungen von „submissiven", fürsorglichen asiatischen Partnerinnen in den Philippinen suchen, was oft auf gesellschaftliche Enttäuschungen in ihrer Heimat zurückgeht. Bernadette Ludwig (Wifehood as the Price of Citizenship, 2016) dokumentiert, dass ein erheblicher Anteil der Männer, die transnationale Beziehungen sucht, soziale Isolation und emotionale Dysfunktionen aufweist.
Sachlich korrekt. Das Phänomen ist soziologisch vielfach beschrieben. Westliche Männer projizieren tatsächlich häufig das Bild der „pflegenden asiatischen Frau" auf philippinische Frauen – eine Projektion, die in der Forschung als „Othering" bezeichnet wird. [1]
2.2 Philippinische Frauen suchen gefestigte, stabile Männer
Behauptung: „Die haben schon genug Probleme dort, suchen einen gefestigten, gestandenen Mann und keinen Haufen Elend."
Faktenlage: Studien zum philippinischen Heiratsmarkt und zu transnationalen Ehen zeigen, dass wirtschaftliche Stabilität des Partners ein zentrales Auswahlkriterium ist. Constable (2003) und Piper & Roces (Wife or Worker?, 2003) belegen, dass philippinische Frauen in transnationalen Beziehungen wirtschaftliche Sicherheit anstreben – teilweise als Fluchtweg aus Armut oder instabilen Verhältnissen. Die Erwartung emotionaler Stabilität beim Partner korreliert dabei mit dem Wunsch nach einem verlässlichen Versorger. Psychologisch gesunde und emotional stabile Männer haben tatsächlich bessere Chancen.
Sachlich korrekt. Emotionale und wirtschaftliche Stabilität gelten in der philippinischen Partnersuche als zentrale Auswahlkriterien. Die Aussage trifft einen realen sozialen Sachverhalt. [2]
2.3 YouTube-Kanäle über die Philippinen vermitteln unrealistische Erwartungen
Behauptung: Westliche YouTube-Kanäle über die Philippinen suggerieren, dass man dort „ganz leicht jemanden findet" – und sind mitverantwortlich für enttäuschte Männer.
Faktenlage: Es existiert ein gut dokumentiertes Genre von sogenannten „Expat-Kanälen" auf YouTube, die Leben und Partnersuche auf den Philippinen idealisieren. Medienwissenschaftliche Analysen (vgl. Glodava & Onizuka, Mail-Order Brides, 1994; modernere Studien zu digitalem Romantourismus) zeigen, dass solche Kanäle ökonomische Anreize haben, positive Erfahrungen zu überrepräsentieren. Kritische Kanäle, die Enttäuschungen zeigen, sind in der Minderheit. Die Behauptung des Sprechers ist daher im Grundsatz plausibel.
Gemischt. Die Tendenz zur Idealisierung in Expat-Kanälen ist real, aber die Pauschalaussage über „genau diese Kanäle" vereinfacht. Es gibt auch kritische Kanäle. Die eigene Beobachtung des Sprechers ist glaubwürdig, aber nicht repräsentativ belegt. [3]
2.4 Sprachliche Einordnung: Verwendung von „schizophren" als Schimpfwort
Behauptung (implizit durch Sprachgebrauch): „Bist du so schizophren, so kaputt im Kopf…"
Faktenlage: Der Begriff „schizophren" wird hier nicht im klinischen Sinn verwendet, sondern als Schimpfwort für irrationales oder unrealistisches Denken. Schizophrenie ist eine schwere psychiatrische Erkrankung, die ca. 1 % der Weltbevölkerung betrifft (WHO-Daten) und sich durch Wahrnehmungsstörungen, Denkstörungen und Halluzinationen äußert – nicht durch unrealistische Partnerschaftserwartungen. Die umgangssprachliche Verwendung als Synonym für „verrückt" oder „irrational" ist medizinisch falsch und stigmatisierend für Betroffene.
Problematisch / Stigmatisierend. Die Verwendung psychiatrischer Diagnosen als Schimpfwörter reproduziert gesellschaftliche Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und ist fachlich inkorrekt. Gleiches gilt für „kaputt im Kopf". [4]
2.5 Selbstpräsentation des Sprechers als Gegenbeispiel
Behauptung: „Ich bin in meinen ganzen Jahren nicht mal ansatzweise so extrem deprimiert und verzweifelt in einen solchen Zustand gekommen."
Faktenlage: Dies ist eine persönliche Aussage, die nicht extern überprüfbar ist. Aus soziologischer Perspektive ist zu bemerken, dass die Selbstdarstellung als psychisch gefestigt und emotional ausgeglichen ein klassisches Mittel der Selbstlegitimierung in Ratgeber-Inhalten ist. Der Sprecher positioniert sich als Autorität kraft eigener Erfahrung – ohne dass diese Erfahrung verallgemeinerungsfähig wäre.
Nicht prüfbar / Selbstreferenziell. Die Aussage ist eine persönliche Einschätzung. Als Autoritätsbeweis für eine allgemeine These ungeeignet, da anekdotisch. Der Wunsch nach echter innerer Verbindung ist nachvollziehbar formuliert, bleibt aber ohne analytischen Mehrwert.
3. Soziologische und rhetorische Einordnung
3.1 Soziologischer Rahmen: Romantourismus und transnationale Heiratsmärkte
Das Video berührt ein klassisches Thema der Migrationssoziologie und Gender Studies: den transnationalen Heiratsmarkt zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden. Philippinen, Thailand und andere südostasiatische Länder sind seit den 1980er-Jahren Ziel für westliche Männer, die eine Partnerin außerhalb ihres heimischen sozialen Umfelds suchen. Dabei treffen strukturelle Ungleichheiten (wirtschaftliches Gefälle, Geschlechterrollen) auf individuelle Erwartungen.
Der Sprecher benennt korrekt eine zentrale Dysfunktion dieses Systems: Wenn Männer mit unbearbeiteten psychischen Problemen und unrealistischen Erwartungen kommen, entstehen keine nachhaltigen Beziehungen. Die Forschung bestätigt: Beziehungszufriedenheit in transnationalen Ehen korreliert stark mit psychischer Gesundheit beider Partner (Constable 2003; Yang & Lu, Asian American Sexualities, 2015).
3.2 Rhetorik: Frustrationsaggression und Othering
Das Video zeigt ein charakteristisches Muster des Kristallwolf-Kanals: berechtigte Kernthesen werden in aggressiver, abwertender Sprache verpackt. Rhetorische Stilmittel:
- Hyperbeln und Abwertungen: „Haufen Elend", „bekloppt", „Schwachsinn", „beschissene Laune" – verstärken die emotionale Wirkung, untergraben aber die analytische Tiefe - Pathologisierung: Die Verwendung von „schizophren" und „kaputt im Kopf" medikalisiert normales (wenn auch dysfunktionales) Verhalten und stigmatisiert psychische Erkrankungen - Selbstlegitimierung durch Kontrast: Der Sprecher positioniert sich explizit als das Gegenteil des kritisierten Typs – klassisches Identitätsmanagement in Ratgeber-Formaten - Verallgemeinerung: Die pauschale Zuschreibung an „Deutsche, Engländer, Amerikaner" vereinfacht ein strukturell vielschichtiges Phänomen
3.3 Einordnung in das Kanalmuster
Das Video reiht sich in eine Reihe von Kurzvideos ein, in denen Kristallwolf westliche Männer für ihren Umgang mit den Philippinen bzw. philippinischen Frauen kritisiert (vgl. Transkript vom 17.05.2026). Das Muster: berechtigte Kritik an realen Dysfunktionen, formuliert in einem aggressiven, herabsetzenden Stil, der die Kernbotschaft zwar kraftvoll transportiert, aber auch Grenzen beim Umgang mit psychischer Vulnerabilität überschreitet.
4. Kulturelle Prüfung
4.1 Stereotyp der „warmherzigen philippinischen Frau"
Der Sprecher kritisiert zwar die unrealistischen Erwartungen westlicher Männer, reproduziert aber gleichzeitig das kulturelle Stereotyp, das er kritisiert: Die Beschreibung „eine ganz liebe, warmherzige zuhörende Frau" setzt voraus, dass philippinische Frauen diese Eigenschaften prinzipiell besitzen – und diskutiert nur, ob man sie für persönliche Therapiezwecke beanspruchen darf. Das Bild der fürsorglichen, duldsamen Filipina ist jedoch kein kulturelles Naturgesetz, sondern ein koloniales Konstrukt mit historischer Tiefe.
Historische Wurzeln des Stereotyps:
Die Vorstellung der „unterwürfig-fürsorglichen Asiatin" ist unmittelbar mit der Kolonialgeschichte der Philippinen verbunden:
- Spanische Kolonialherrschaft (1565–1898): Etablierte patriarchalische Strukturen und das Bild der gehorsamen Filipina als Idealtypus innerhalb der katholischen Familienordnung. Frauen wurden als Ehefrauen und Mütter definiert, nicht als eigenständige gesellschaftliche Akteure. - Amerikanische Kolonialherrschaft (1898–1946): Amerikanische Bildungs- und Medienpolitik förderte aktiv das Bild der „kooperativen, lernbereiten" Filipina. US-amerikanische Kolonialberichte beschrieben philippinische Frauen als „natürlich freundlich" und „gastfreundlich" – Eigenschaften, die für koloniale Verwaltung und soziale Kontrolle funktional waren. - US-Militärpräsenz (bis 1992): Die Stützpunkte Subic Bay und Clark Air Base generierten eine ausgeprägte Sexindustrie um Angeles City und Olongapo. Hundertausende philippinische Frauen arbeiteten in diesen Zonen unter dem Begriff „hospitality workers". Dieses System schrieb das Bild der sexuell verfügbaren, emotional zugänglichen Filipina tief in das westliche Bewusstsein ein. [5]
Das Stereotyp ist kolonial geprägt. Der Sprecher kritisiert einen Missbrauch des Stereotyps, hinterfragt aber nicht die Existenz des Stereotyps selbst. Eine vollständige kulturelle Analyse müsste fragen: Warum existiert dieses Bild überhaupt, und wer profitiert von seiner Aufrechterhaltung?
4.2 Philippinische Kulturkonzepte, die das Video ignoriert
Das Video behandelt philippinische Frauen primär als Reaktionsmasse auf westliche Erwartungen. Zentrale philippinische Kulturkonzepte, die das Bild erheblich nuancieren würden, werden nicht erwähnt:
| Konzept | Bedeutung | Relevanz für das Videoinhalt |
|---|---|---|
| Hiya | Scham, Gesichtsverlust, soziale Peinlichkeit | Das öffentliche Aushalten eines emotional zerrütteten Partners wäre unter Hiya-Perspektive für eine philippinische Frau sozial extrem belastend |
| Amor propio | Persönlicher Stolz, Selbstrespekt | Steht direkt im Widerspruch zur Erwartung, als emotionale Stütze für fremde Männer zu fungieren |
| Pakikisama | Gemeinschaftsgefühl, soziale Harmonie | Fürsorge ist in philippinischer Kultur gemeinschaftsbezogen (Familie, Nachbarschaft) – nicht auf Fremde ausgerichtet |
| Utang na loob | Schuld der Dankbarkeit / gegenseitige Verpflichtung | Wird von westlichen Männern häufig als „Unterwürfigkeit" fehlgedeutet; tatsächlich ein komplexes reziprokes System |
| Bayanihan | Gemeinschaftliche Hilfe und Solidarität | Hilfsbereitschaft in philippinischer Kultur ist kollektiv und situationsgebunden – kein individueller Dauerservice |
Der Sprecher hat insofern recht, dass die Erwartungen westlicher Männer unrealistisch sind – aber aus einem anderen Grund als er nennt. Nicht nur weil philippinische Frauen „eigene Probleme haben", sondern weil die gesamte Erwartungsstruktur (Fürsorge für Fremde ohne Gemeinschaftsbezug) dem philippinischen Wertesystem grundsätzlich fremd ist.
4.3 Koloniale Kontinuität: Romantourismus als strukturelles System
Der Sprecher kritisiert das Verhalten einzelner Männer, blendet aber die strukturellen Ursachen aus. Romantourismus und transnationale Partnersuche auf den Philippinen sind keine individuellen Entscheidungen im Vakuum, sondern eingebettet in ein globales Machtgefälle:
- Wirtschaftliches Gefälle: Das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf den Philippinen (ca. 3.900 USD, 2023) beträgt etwa 11 % des deutschen Werts (ca. 35.000 USD). Selbst ein depressiver, arbeitsloser Deutscher hat strukturell erheblich mehr wirtschaftliche Ressourcen als eine stabile, berufstätige Filipina aus der Provinz. Das Machtgefälle ist also unabhängig vom psychischen Zustand des westlichen Mannes vorhanden. [6] - Heiratsmigrationsmarkt: Die Philippinen sind eines der weltweit größten Herkunftsländer für transnational vermittelte Ehen. Schätzungen zufolge verlassen jährlich zwischen 200.000 und 400.000 Filipinas das Land durch Heiratsmigration. Dieses System wird durch globale Ungleichheit ermöglicht – nicht nur durch individuelle Naivität westlicher Männer. - Reproduktion durch Medien: YouTube-Kanäle und Dating-Apps (z.B. FilipinoCupid, PinaLove) sind Teil eines ökonomisch incentivisierten Systems, das transnationale Beziehungserwartungen aktiv bewirbt und monetarisiert.
Das Video fokussiert auf individuelle Dysfunktion und blendet strukturelle Ursachen aus. Die Frage, warum das System überhaupt existiert – warum westliche Männer dort suchen und warum philippinische Frauen verfügbar erscheinen – bleibt unbeantwortet. Wer nur das Symptom (psychisch instabile Männer) kritisiert, ohne die Ursache (koloniale und ökonomische Machtstrukturen) zu benennen, bleibt an der Oberfläche.
4.4 Genderspezifische kulturelle Analyse: Emotional Labor
Die Erwartung, dass eine philippinische Frau die emotionalen Probleme eines westlichen Mannes „auffängt", ist ein Beispiel für Emotional Labor – ein von der Soziologin Arlie Hochschild (The Managed Heart, 1983) geprägter Begriff für unbezahlte, unsichtbare emotionale Arbeit, die überwiegend von Frauen erwartet wird.
Dieser Mechanismus ist nicht philippinen-spezifisch, sondern global: Frauen werden sozial dafür konditioniert, emotionale Stützen zu sein. Das Video greift dieses Muster auf, benennt aber den Begriff nicht und adressiert auch nicht, dass die Erwartung emotional-fürsorglicher Partnerinnen ein allgemeines geschlechtsspezifisches Problem ist – nicht nur eine Fehlerwartung gegenüber Filipinas.
Der Sprecher formuliert sein eigenes Beziehungsideal als Suche nach dem, „was in seinem Herzen schreit und in seiner Seele ist" – eine spirituell aufgeladene Sprache, die suggeriert, er strebe nach echter Verbindung statt nach Fürsorge. Kulturell ist dies interessant: Er grenzt sein Begehren von materiellem/funktionalem Nutzendenken ab, bleibt dabei aber ebenfalls im System transnationaler Beziehungen.
Das Video benennt Emotional Labor, ohne es als solches zu erkennen. Die berechtigte Kritik, dass philippinische Frauen keine kostenlosen Therapeuten sind, wäre analytisch stärker, wenn sie mit dem strukturellen Konzept ungleich verteilter emotionaler Arbeit verbunden würde.
4.5 Kommunikationsstil: Deutsches vs. philippinisches Konfliktverhalten
Ein oft übersehener kultureller Aspekt des Videos betrifft den Kommunikationsstil selbst. Der Sprecher verwendet direkte, konfrontative, teils aggressive Sprache. Dies entspricht einem deutschen Kommunikationsmuster, das im Vergleich zu philippinischen Normen kulturell sehr weit entfernt liegt:
| Merkmal | Deutsches Kommunikationsmuster | Philippinisches Kommunikationsmuster |
|---|---|---|
| Direktheit | Hohe Direktheit gilt als ehrlich | Direkte Konfrontation (face-to-face) wird vermieden |
| Konflikt | Offener Widerspruch ist akzeptiert | Konflikte werden indirekt (pahiwatig) kommuniziert |
| Kritik | Direkte Kritik als Zeichen von Respekt | Kritik wird verpackt, um Hiya zu vermeiden |
| Lautstärke/Ton | Hohe Intensität als Zeichen von Ernsthaftigkeit | Lautes Sprechen gilt als Kontrollverlust |
Wenn also westliche Männer mit dem im Video beschriebenen frustrations-aggressiven Auftreten auf den Philippinen ankommen, stoßen sie auf ein Kulturverständnis, das diese Kommunikationsweise grundsätzlich als sozial inakzeptabel einordnet – unabhängig von Depressionen oder psychischer Instabilität. Der Sprecher nennt Aggression und Deprimiertheit als Hinderungsgründe, aber der kulturelle Kommunikationskonflikt liegt tiefer.
Das Scheitern westlicher Männer auf den Philippinen hat oft auch eine Kommunikationskomponente: Direktheit, lautes Auftreten und Frustrationsexpressivität wirken in philippinischer Kultur sozial abschreckend, selbst wenn der Mann keine psychische Erkrankung hat.
4.6 Gesamtbewertung der kulturellen Analyse
Das Video spricht berechtigte Kritikpunkte an, verbleibt aber in einem eurozentristischen Blick auf philippinische Kultur. Philippinische Frauen werden als handelnde Akteurinnen gezeigt (positiv), aber nicht in ihrem eigenen kulturellen Kontext verortet. Die kolonialen Wurzeln der Stereotype, die strukturellen Machtasymmetrien und die zentralen philippinischen Kulturkonzepte (Hiya, Amor propio, Pakikisama) bleiben unerwähnt. Eine vollständige kulturelle Einordnung würde das Bild des „untauglichen westlichen Mannes" ergänzen durch das Bild des Systems, das solche Männer produziert und in die Philippinen lockt.
| Kultureller Aspekt | Bewertung |
|---|---|
| Kritik an unrealistischen Erwartungen | ✅ Kulturell berechtigt |
| Darstellung philippinischer Frauen als Akteurinnen | ✅ Positiv, aber ohne kulturellen Tiefgang |
| Stereotyp der warmherzigen Filipina unreflektiert übernommen | ❌ Koloniales Konstrukt nicht hinterfragt |
| Kulturkonzepte (Hiya, Amor propio etc.) | ❌ Vollständig ignoriert |
| Strukturelle Machtasymmetrien (wirtschaftlich, historisch) | ❌ Nicht thematisiert |
| Kommunikationskulturelle Unterschiede | ⚠️ Implizit angesprochen, nicht analysiert |
6. Gesamtbewertung
Das Video benennt ein soziologisch belegtes Phänomen: Westliche Männer mit psychischen Problemen und unrealistischen Erwartungen scheitern bei der Partnersuche auf den Philippinen. Die Kernaussage – psychische Gesundheit und Stabilität sind Voraussetzung für erfolgreiche Beziehungen – ist korrekt und wird durch Forschung gestützt. Problematisch ist die aggressive, stigmatisierende Sprache, insbesondere die Verwendung von „schizophren" als Schimpfwort, die Betroffene psychischer Erkrankungen diskriminiert und den sachlichen Gehalt des Videos unnötig beschädigt.
| Behauptung | Bewertung |
|---|---|
| Westliche Männer kommen mit unrealistischen Therapeuten-Erwartungen | ✅ Soziologisch belegt |
| Philippinische Frauen suchen stabile, gefestigte Männer | ✅ Forschungskonform |
| YouTube-Kanäle vermitteln unrealistische Bilder | ⚠️ Teilweise korrekt, zu pauschal |
| „Schizophren" als Bezeichnung für irrationales Denken | ❌ Medizinisch falsch, stigmatisierend |
| Selbstdarstellung als gefestigtes Gegenbeispiel | ⚠️ Nicht überprüfbar, anekdotisch |
YouTube-Kommentar
Du sprichst ein real existierendes Problem an: Männer, die mit unbearbeiteten emotionalen Problemen nach Asien reisen und dort eine „Therapeutin in Partnerform" suchen, sind tatsächlich zum Scheitern verurteilt – das zeigt auch die Forschung zu transnationalen Ehen. Dein Kernpunkt, dass psychische Stabilität Voraussetzung für tragfähige Beziehungen ist, stimmt. Allerdings möchte ich anmerken: Die Verwendung von „schizophren" als Schimpfwort ist problematisch – Schizophrenie ist eine ernste Erkrankung, und diese Sprache trifft Menschen, die ohnehin schon stigmatisiert werden. Die gleiche Botschaft wirkt stärker, wenn sie die Betroffenen nicht zusätzlich abwertet. Was hat dich persönlich dazu gebracht, dieses Thema heute aufzugreifen?
→ Gesamtwerk · Transkript
Einzelnachweise
- ↑ Nicole Constable, Romance on a Global Stage. Pen Pals, Virtual Ethnography, and „Mail-Order" Marriages, University of California Press, 2003.
- ↑ Nicola Piper & Mina Roces (Hg.), Wife or Worker? Asian Women and Migration, Rowman & Littlefield, 2003.
- ↑ Mila Glodava & Richard Onizuka, Mail-Order Brides: Women for Sale, Alaken Inc., 1994; vgl. auch: Reese Erlich, »The Mail-Order Bride Industry«, in: Global Journalist, 2001.
- ↑ WHO, Schizophrenia Fact Sheet, 2022 (abrufbar unter: who.int); Patrick Corrigan, »How Stigma Interferes With Mental Health Care«, in: American Psychologist 59(7), 2004, S. 614–625.
- ↑ Cynthia Enloe, Bananas, Beaches and Bases: Making Feminist Sense of International Politics, University of California Press, 1990; vgl. auch: Liza Maza, »The US Military Presence and Violence Against Filipino Women«, in: Gabriela Women's Party, 2003.
- ↑ World Bank, GDP per capita – Philippines, Germany, 2023 (abrufbar unter: data.worldbank.org); Arlie Hochschild, The Managed Heart: Commercialization of Human Feeling, University of California Press, 1983.